Paris - Odessa Klezmerkonzert

Sonntag

05

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08

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2018

20:00 Uhr

25 €

Strandhalle Wangen

David Orlowsky Trio:

David Orlowsky, Klarinette 
Jens-Uwe Popp, Gitarre 
Florian Dohrmann, Kontrabass

Wer durch Paris flaniert (und das kann man bekanntlich unendlich lang), den wird es irgendwann auch ins Marais ziehen. Schließlich ist dieses zentral gelegene Viertel, das sich vom modernen Kunst-Tanker Centre Pompidou bis zum geschichtsträchtigen Bastille-Platz erstreckt, eines der weiterhin pulsierenden Herzen von Paris. Schon 1831 porträtierte Victor Hugo in seinem „Glöckner von Notre-Dame“ das Marais als einen äußerst quirligen Stadtteil: „Zigeuner, entlaufene Mönche, versumpfte Studenten, Schurken aller Nationen, wie Spanier, Italiener, Deutsche, und alle Religionen, Juden, Christen, Mohammedaner, Götzenanbeter, am Tag bettelnd, nachts als Räuberbanden ausschwärmend.“ Fast zwei Jahrhunderte später ist das Marais zwar längst eines der angesagtesten Shopping- und Ausgehviertel. Und auch die Kunst-Fans kommen hier mit dem Picasso-Museum auf ihre Kosten. Wer aber etwa in die äußerst belebte Rue des Rosiers einbiegt, fühlt sich leicht in eine andere Zeit versetzt. Traditionell in Schwarz gekleidete orthodoxe Juden sind fast im Laufschritt unterwegs. In einer Bäckerei gibt es jiddische und osteuropäische Köstlichkeiten wie klassische wienerische Strudl, Apfelkuchen à la Polonaise und gefilte Fisch. Und weil jede der vielen Imbissbuden in diesem Sträßchen den weltbesten Falafel anpreist, kommt es überall zu langen Warteschlangen. Im Marais gibt es also noch dieses jüdische Leben, wie es vor allem ab dem Ende des 19. Jahrhunderts zu florieren begann. Als zehntausende russische Juden vor Diskriminierung und Pogromen nach Paris flohen und sich im Marais niederließen.

Von hier aus beginnt das David Orlowsky Trio nun eine Klangreise, die viele Tausende Kilometer in Richtung Ukraine, nach Odessa führt. Und natürlich haben die drei Musiker einzelne Stationen mit einer speziellen Klangvignette verewigt. Und auf der Strecke liegen mit Bukarest und Odessa zwei Städte, von denen jede nicht nur den Ehrentitel „Paris des Ostens“ trägt. Die rumänische Hauptstadt sowie die ukrainische Schwarzmeer-Perle waren bedeutende Vielvölker-Metropolen mit einer großen jüdischen Gemeinde. Zu den berühmtesten jüdischen Geistesgrößen Rumäniens gehörten etwa der Dada-Vater Tristan Tzara und der Theater-Revolutionär Eugène Ionesco, der Nobelpreisträger Elie Wiesel und der Philosoph Lucien Goldmann.

Die Offenheit und Vielsprachigkeit, für die etwa in Rumänien schon früh ein buntes Gemisch aus Ungarn, Serben, Deutschen, Ukrainern, Slowaken, Armeniern, Griechen, Türken und Tataren sorgte, sollte für das David Orlowsky Trio überhaupt zu einem Leitmotiv ihres neuen Programms werden. „Musik kann nur wachsen, wenn man die Angst vor dem Neuen überwindet. Wer möchte denn Musik hören, die sich stets allen fremden Einflüssen verwehrt hat?“

Selbstverständlich tragen viele der jetzt komponierten Stücke die DNA des Klezmers in sich und damit einer Musik, mit der sich das Trio schon lange verbunden fühlt. Dass man sich andererseits aber im Grunde als musikalische Weltenbummler sieht, die vom jüdischen Klezmer-Sound über Jazz bis zur Klassik alles im Blut haben, hört man dem zwischen Paris und Odessa ausgebreiteten musikalischen Spektrum an. „Zarte Walzeranklänge klingen eher nach Paris, das Osteuropäische nach Odessa. Dazwischen liegt der Balkan und Rumänien. Alles Gegenden also, aus denen viele unserer Einflüsse kommen.“

Mit dem David Orlowsky Trio lernt man so die unterschiedlichen Landschaften und Ecken mit ihren charakteristischen Klängen kennen. In dem Stück „Moldawanka“ besucht man das gleichnamige jüdische Viertel in Odessa, das die Musiker als magischen Ort empfunden haben. Mit „Bucovina“ hat das Trio zuvor einen Landstrich besucht, der Rumänien mit der Ukraine verbindet. Und nach einer wilden Taxi-Fahrt durch Bukarest („Taxi Bucuresti“) besteigt man wieder den „Night Train to Odessa“.

Mitwirkende